Ist die European Tour eine Lari-Fari-Veranstaltung?

Diese interessante These stellt zumindest Doug Ferguson von USA Today in seinem Kommentar auf. Auslöser seiner Kritik war der sensationelle Sieg von Amateur Shane Lowry bei der Irish Open in der vergangenen Woche. Fergusons Argumentation: Weil Lowry lediglich als 16-bester Amateur in der Welt geführt wird und dennoch in der Lage war zu gewinnen, kann es mit der Qualität der European Tour nicht so gut bestellt sein – zumal Lowry nach Pablo Martin und Danny Lee bereits der dritte siegreiche Amateur in den letzten zwei Jahren war. Auf der PGA Tour hat hingegen seit Phil Mickelsons Sieg bei der Northern Telecom Open im Jahr 1991 kein Amateur mehr eine Trophäe mit nach Hause nehmen können.

Um seiner Meinung mehr Gewicht zu verleihen, zitiert Ferguson schließlich auch noch Scott Verplank, der die fehlenden Amateur-Siege auf der PGA Tour in der Stärke des Feldes sieht. „Das soll jetzt kein Seitenhieb gegen die European Tour sein, aber ich denke da ist schon was dran.“ Nun möchte ich Herrn Verplank nicht unterstellen, dass er damit indirekt rechtfertigen will, dass er seit 2002 gerade mal ein Turnier auf der PGA Tour gewonnen hat – aber ich denke, da ist schon was dran. Und wenn das Feld auf der European Tour wirklich so schwach ist, wie kommt es dann, dass ein Scott Verplank bei seinem letzten europäischen Auftritt (abseits der Open Championship) in der Qatar Masters 2008 den Cut verpasste? Das hätte er als echter Golfer doch eigentlich mit verbundenen Augen und Linkshänder-Schlägern gewinnen müssen.

Seien wir doch mal ehrlich: der European Tour ein fehlendes Niveau zu unterstellen ist lächerlich. Ein einziger Blick auf das Leaderboard der Irish Open sollte genügen um die These in das Reich der Fabel zu verweisen. Denn unter den Geschlagenen war mit Rory McIlroy, Padraig Harrington, Lee Westwood, Darren Clarke und Oliver Wilson ja nicht gerade Kanonenfutter. Wenn man sich dagegen die No-Name-Felder auf der PGA Tour ansieht, die bei parallel zu WGC-Events stattfindenden Turnieren aufteen, muss man vielleicht einmal den Spieß umdrehen und die These aufstellen, dass die amerikanischen Amateure einfach zu schlecht sind.

Dafür spricht, dass es auch auf der zweiten Garde des US-Golfs, der Nationwide Tour, in den letzten 20 Jahren ein einziger Amateur in die Siegerlisten geschafft hat. Eigentlich ein ganz schönes Armutszeugnis. Dies liegt aber auch daran, dass die Mentalität eine komplett andere ist. In den USA ist Golf ein weitaus größeres Geschäft als in Europa. Selbst wer ständig nur im Mittelfeld platziert ist, kann sich als Golfprofi sehr gut sein Leben finanzieren. Wer also auch nur irgendwie die Chance sieht, vorne mitzuspielen, wird so schnell es geht den Amateur-Status ablegen – vielfach bereits direkt nach dem College. Die Zeiten eines Bobby Jones, der sein Leben lang als Amateur antrat, sind nun mal schon lange vorbei. Wer sich wie Shane Lowry in der vergangenen Woche einen Siegerscheck von 500 000 Euro durch die Lappen gehen lässt, weil er nicht rechtzeitig Profi geworden ist, würde in der US-Presse vermutlich nicht mehr ehrfurchtsvoll bewundert, sondern für seine Dummheit ausgelacht werden.

Doch kommen wir noch einmal zurück zu Shane Lowry, der mit seinem dreisten Sieg die ganze Diskussion ausgelöst hat. Was Doug Ferguson in seiner ganzen Argumentation auslässt, ist die Stätte des Triumphs. Könnte die Tatsache, dass der Ire Lowry ausgerechnet die Irish Open gewonnen hat mehr mit seinem Sieg zu tun haben, als die Stärke oder Schwäche seiner Gegner? Immerhin reden wir hier von jemanden, der seit Kindheitstagen nicht anderes als Linksgolf gespielt hat, den Platz vermutlich in- und auswendig kennt und von den Fans auf einer Welle der Begeisterung getragen wurde. Dies kann durchaus schon mal den einen oder anderen Schlag bringen, wie jeder weiß, der bei einem Wettspiel im Heimatclub schon mal einen deutlich besseren Spieler vom Platz geschossen hat.

Das einzige, worin ich Ferguson zustimmen kann, ist, dass Lowry es schwer haben wird, seinen Triumph in nächster Zeit zu wiederholen. Dies jedoch zwischen den Zeilen wieder als Argument gegen die European Tour zu verwenden, ist einfach erbärmlich. Denn wie viele Profis gibt es auch auf der PGA Tour, die nach ihrem einen Sieg nie wieder an diesen Erfolg anknüpfen konnten? Mir kommt das Ganze ohnehin so vor, als hätte Ferguson stundenlang vor einem leeren Monitor gesessen während die Deadline für seine Kolumne immer näher rückte, und dann aus Themennot diesen Pseudo-Konflikt entwickelt. Einfach mal so gegen Europa zu schießen kommt in den USA halt immer gut. Denn wie jeder weiß: Nach dem Ryder Cup ist vor dem Ryder Cup.

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