Lahinch Golf Club

Unsere Bewertung

8 Linksgolfer

Erklärung der Bewertungsskala

Nach meiner Runde in Lahinch begann ich, an meinem Verstand zu zweifeln. Warum soll das hier der zweitbeste Platz Irlands sein? Und was finden alle an diesem unglaublich langweiligen Loch 5? Ein Par 3, wie man es sogar in Deutschland besser sieht? Die Antwort kam mir, als ich eine Anekdote von Tom Doak las. Der Architekt beschrieb, wie er stundenlang am fünften Grün stand und beobachtete, welcher blinde Schlag am nahesten am Stock landete. Das Wörtchen blind machte mich stutzig. Denn einen blinden Schlag hatte ich nicht ins Grün. Ein Blick ins Birdiebuch verschaffte mir traurige Gewissheit. Loch 5 war am Tag meines Besuches aus dem Spiel genommen. Stattdessen spielte ich 5A.

Kann ein einziges Loch wirklich so einen Unterschied machen? Nun ja, wenn man das beste Loch eines Platzes mit dem schlechtesten Loch ersetzt, macht sich das bemerkbar. Und Lahinch war ja auch mit 5A kein schlechter Kurs, nur eben nicht absolute Weltklasse. Die 5 war an diesem Tag auch nicht der einzige Wechsel zur Normalkonfiguration. An der 7 durfte ich nicht das Grün am Meer sondern die inländische Wintervariante anspielen. Mit diesem Wissen im Hinterkopf hat sich meine ohnehin schon positive Meinung von Lahinch dann doch noch einmal deutlich aufgehellt.

Der Auftakt bleibt aber unspektakulär. Bahn 1 ist ein Par 4, das vom Clubhaus weg führt. Loch 2 verläuft als Par 5 parallel zurück und geht direkt am Clubhaus vorbei auf ein tiefergelegtes Grün. Bahn 3 verläuft wiederum in die entgegengesetzte Richtung, hat aber zwei Dinge, die die vorherigen Löcher nicht hatten. Zum Einen eine Lage am Meer, zum anderen einen aufregenden, blinden Drive. Hat man den Drive im Fairway platziert, geht es in einem Dogleg nach links wieder runter Richtung Wasser. Ein tolles Loch, aber kein Vergleich zum Kronjuwel des Platzes: dem Klondyke.

Das 434 Meter lange Par 5 gehört sicher zu den besten Golfbahnen der Welt. Auch wenn es ein Problem hat, auf das ich später zu sprechen komme. Vom Tee fällt der Blick auf ein schmales Fairway-Band, das sich zwischen zwei Dünen windet, wodurch die effektive Fairwaybreite etwas größer wird. Was man vom Tee nicht sieht, ist das Grün. Denn nach rund 280 Metern versperrt der Klondyke Hill den Blick. Das Spannende ist, dass es durchaus möglich ist, dieses Par 5 mit dem zweiten Schlag zu erreichen, da es hinter dem Hügel bis zum Grün leicht bergab geht.

Wie das Klondyke wurde auch die 5 von Old Tom Morris designed. Das Grün des Par 3 ist so gut hinter einer Düne versteckt, dass ich es wie erwähnt nicht realisiert habe. Angesichts der Bilder ist mir hier leider ein weiteres Weltklasseloch durch die Lappen gegangen. Dafür wurde ich jedoch durch Bahn 6 entschädigt – ein weiteres Dogleg nach links in dessen Fairway ein Bunker auf aggressive Spieler wartet. Ach was rede ich? Ein Krater! Hat man ihn aus dem Spiel genommen, muss auf dem Weg zum Grün ein wunderbar onduliertes Fairway bewältigt werden.

Auf der 7 folgt der letzte blinde Drive der Runde. Hier hatte der Club wie erwähnt das eigentliche Grün aus dem Spiel genommen, so dass ich die Bahn nur in ihrem halben Glanz erleben durfte. Aber auch das war schon ordentlich. Abgeschlossen werden die Front 9 von einem feinen Par 3 und einem Par 4 mit einem extrem coolen Grünkomplex. Ich schlug ein gutes Eisen auf die rechte Seite, traf dabei einen Hang, der Ball wurde komplett über das Grün katapultiert und lag 3 Meter weiter unten auf dem Abschlag der 10. Aber auch von dort ist Par möglich.

Die Back 9 können bei den Highlights nicht mehr ganz mithalten, haben aber auch einige erstklassige Löcher zu bieten. Eines davon war mir leider (wieder Mal) nicht vergönnt. Die 11A ist (neben der 9) eines von zwei Grüns, die Alister MacKenzie gebaut hat. In den Sommermonaten wird jedoch normalerweise die neue 11 von Open-Doktor Martin Hawtree gespielt. Das Par 3 spielt sich zwar auch Richtung Meer und hat das schönere Panorama, besitzt aber nicht so viel Finesse. Eine deutlich bessere Änderung hat Hawtree an der 12 vorgenommen. Er machte aus dem Par 4 ein Par 5, das sich rechtsseitig am Fluss entlang zieht.

Die restlichen Favoriten auf den Back 9 waren die 14 und 16. Das Grün der 14, ein langes Par 4, ist in einem Dünenkessel mit einem vielleicht 15 Meter breiten Eingang. Und die 16 ist ein bergab laufendes Par 3, das bei Rückenwind schwer zu halten ist. Der Weg zurück zum Clubhaus ist recht ereignisarm. Und hier kommen wir zum einen Punkt an Lahinch, der mir Bauchschmerzen bereitet. Denn was ich beim Klondyke nicht erzählt habe, ist, dass es sich über die gesamte Breite des Geländes erstreckt. Resultat ist, dass man es irgendwo wieder kreuzen muss, um zurück zum Start zu gelangen. Und so führt der Teeshot der 18 über die Bahnen 5 und 4 hinweg. Die 5 ist kein Problem, da das Par 3 einzusehen ist. Aber das Klondyke zu kreuzen ist ein lebensgefährliches Unterfangen, da die Spieler auf der anderen Seite nicht wissen, ob das Fairway frei ist.

Nichtsdestotrotz ist Lahinch ein herausragender Platz. Wenn man ihn denn in seiner ganzen Klasse spielen kann. Wer hier aufteet, sollte vor der Runde sicher stellen, dass die 5 und das Grün der 7 freigegeben sind. Die 11A wird man vermutlich im Sommer nicht zu spielen bekommen, aber zumindest einen Blick darauf werfen sollte man schon.

Disclaimer: Der Platz wurde im Rahmen einer Einladung gespielt

Gespielt am: 30.4.2018

Zusammenfassung
Gespielt am
Bewerteter Platz
Lahinch Golf Club
Bewertung
41star1star1star1stargray

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.