Royal West Norfolk

Unsere Bewertung

7 Reisegolfer

Erklärung der Bewertungsskala

Vor knapp 10 Jahren erstand ich ein Buch mit dem Namen „Legendäre Golfclubs in Schottland, England, Wales und Irland“. Da ich zu der Zeit auch in England lebte und arbeitete und schon einige tolle Clubs und Plätze kennenlernen durfte, war das nett geschriebene Buch für mich Anreiz genug, so viele Plätze und Clubs aus dem Buch zu spielen wie möglich. Mit der Zeit habe ich alle außer 4 Plätze der dort beschriebenen Clubs spielen können. Im September letzten Jahres gelang es mir dann auch endlich Royal West Norfolk spielen zu können.

Bevor wir unser Viererturnier über drei Plätze in Lincolnshire begannen, hatten wir zwei Tage Zeit, die wir in Hunstanton in Norfolk verbrachten. Am Anreisetag hatte ich uns für den Nachmittag in Brancaster, wie Royal West Norfolk auch genannt wird, eine Startzeit gebucht. Leider hatten wir auf dem Weg vom Flughafen Stansted nach Norden etwas Stau und es wurde knapp. Das wäre an sich kein Problem gewesen. Wenn man dort nicht auf Ebbe und Flut angewiesen wäre. Die Zufahrt zum Club, der direkt am Meer liegt, kann während der Flut nicht genutzt werden. Auf der Website des Clubs wird auch darauf hingewiesen, dass man bitte bei der Anreise auf die Gezeiten achten soll.

„Please note that the club is inaccessible at high tide; it is advisable to check the tide times for 2018 before visiting.“

Wir waren zwar etwas zu spät dran, aber konnten doch noch unsere Runde beginnen, ohne Angst zu haben, nach der Runde nicht mehr trocken zurück zum Festland kommen zu können. Das Clubhaus ist, genau wie der Platz, ein Relikt aus einer anderen Zeit. Man hat dort das Gefühl, dass hier seit Jahrzehnten nicht renoviert wurde. Das ist aber nichts negatives. Man fühlt sich halt nur in einer anderen Zeit. 

Wie auch in einigen anderen älteren Clubs in UK, ist Royal West Norfolk ein 2-Ball Club. Das heißt, dass man nicht als Flight mit 4 Einzelspielern auf die Runde darf. Als Einzelspieler darf man nur zu zweit los. Nur mit besonderer Genehmigung des Secretaries darf man ausnahmsweise auf zu dritt los. Das bevorzugte Spiel hier ist 2-Ball. Zu viert ist hier nur ein Klassischer Vierer möglich. In Deutschland eigentlich undenkbar, dass die Clubmitglieder zu viert nur Klassischen Vierer spielen. Hier beschleunigt es aber das Spiel.

Der Platz ist ein typischer Linkskurs mit 9 Löchern raus und 9 Löchern zurück. Im Unterschied zu modernen Plätzen kreuzen sich die Bahnen hier aber gleich viermal mit anderen Bahnen. Der Kurs ist auf den ersten Blick mit knapp 5700m für Herren nicht allzu lang, er hat es im Detail aber in sich. Im Kopf bleiben vor allem die Bunker, von denen die meisten mit Eisenbahnschwellen ausgelegt sind. Die Fairways sind typisch für einen Linkskurs. Wir hatten zwar keinen Regen, aber ich vermute, der Sandboden ist auch bei feuchtem Wetter trocken und hart. 

 

Im Kopf bleiben auf diesem aussergewöhnlichem Kurs für mich folgende Löcher:

Loch 1: Vom Tee aus gesehen links hinter Dünen der Strand und rechts das gemeinsam mit Loch 18 genutzte Fairway. Das Grün ist dann erhöht in den Dünen gelegen und mit kleinen, fiesen Bunkern bestückt.

Loch 4: Ein fantastisches Par 3. Man spielt von einer Düne herüber zu einem erhöhten Grün. Vor sich sieht man vom Abschlag aber nur kleine Bunker und Eisenbahnschwellen. Das Grün selber ist dann sehr groß.

Loch 9: Ein Par 4 durch die Salzmarsch. Vorlegen vor das Grün ist hier nicht. Das erhöhte Grün muss schon direkt getroffen werden. Sonst muss man aus der Marsch spielen. Bei Flut ist man dann eben im Wasser.

Loch 14: Ein längeres Par 4 mit einem angenehmen, breiten Fairway. Interessant wird das Loch wieder Richtig Grün. Dieses ist erhöht, so dass man das Grün vom Fairway aus nicht sehen kann. Und so etwas wie einen „Rentnereingang“ gibt es hier nicht. Klasse Loch.

Loch 18: Abschlag und Fairway dieses mittellangen Par 4 sind keine gr0ße Schwierigkeit. Wie so oft in Brancaster ist es das Grün, welches im Kopf bleibt. Quer vor dem Grün ist ein sehr breite und recht enger Bunker mit Eisenbahnschwellen platziert. Chip and Run ist hier nichts. Man sollte seine Pitches hier schon beherrschen.  

Wie so oft in privaten Clubs in UK sind die Clubhäuser am späten Nachmittag nicht mehr so stark frequentiert. Zum Glück war dort noch eine Dame, die uns Getränke verkaufen konnte. Da gab es dann wenigsten noch was zu trinken nach der mit etwas über 3 Stunden recht schnellen Runde. Klassischer Vierer ist doch eine sehr zügige Spielform.

Nach dem Getränk ging es dann zu unserer Unterkunft in Hunstanton. Ein netter, typisch britischer Urlaubsort mit ein paar netten Restaurants und den beeindruckenden roten Klippen. Und einen anderen tollen, ungewöhnlichen Linkskurs gibt es dort auch. Den hatte ich aber schon vor 5 Jahren mal gespielt. Am nächsten Tag war mal kein Golf angesagt, sondern Sightseeing. Schloss Sandringham etwas südlich von Hunstanton wurde besucht. Hier verbringt die Queen immer die Weihnachtstage und den Winter von Dezember bis Februar. Kann ich als Ausflug empfehlen.

Fazit: Royal West Norfolk ist ein großartiger Linkskurs, den man heute wohl nicht mehr so bauen würde. 

Gespielt am 08.09.2017

Zusammenfassung
Gespielt am
Bewerteter Platz
Royal West Norfolk
Bewertung
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