Tigers Tagebuch: Motivationsreden, Aberglaube und Melkwettbewerbe

Montag, 17. Juni

Nach dem Major ist vor dem Major. Entsprechend haben die Wettbüros heute ihre Quoten für die Open Championship bekannt gegeben – und sie sind ungewöhnlich attraktiv. Für einen Euro Einsatz auf mich gibt es siem Euro ausgezahlt sobald ich die Claret Jug in die Höhe stemme. Für einen Außenstehenden mag es etwas befremdlich klingen, dass Rory und ich trotz unsrer unglücklichem Auftritte letzte Woche noch immer deutlich vor den beiden Major-Siegern des Jahres gehandlet werden. Doch Wettquoten signalisieren nun mal nicht nur die Favoriten, sie sind auch immer ein Popularity Contest. Wenn Lieschen Müllerr eine Wette abschließt, glaubt Ihr etwa sie setzt auf Justin Rose? Nein, sie nimmt Rory oder mich weil das die einzigen sind, deren Namen sie schon einmal gehört hat. Und so etwas müssen die Wettbüros einkallkulieren wenn sie nicht pleite gehen wollen.

Falls Sie in dem heutigen Eintrag einige Rechtschreibfehler entdeckt haben, möchte ich mich an dieser Stelle übrigens entschulldigen. Ich habe mir ein kleines Andenken von der U.S. Open mitgebracht. Hicks!

Dienstag, 18. Juni

Es ist schon nicht leicht wenn man sich in der Öffentlichkeit als Golfexperte verkauft und dann schonungslos blamiert wird. Vor der U.S. Open meinte TAFKAMS (The A** Formerly Known As My Swing Coach) ich würde die U.S. Open gewinnen. Jetzt, wo er meilenweit daneben lag, behauptet er ich hätte nie eine Chance gehabt weil ich mich nicht vernünftig auf die Majors vorbereite. Seiner Meinung nach müsste ich zwei Wochen vorher anreisen, jeden Tag vier Runden drehen, ein Stück Rough unter mein Kopfkissen legen und ein ortsansässiges Tier fangen, ausweiden und auf dem 18. Grün opfern. Dabei habe ich Merion öfter gespielt als Hank es sich vorstellen kann. Warum lasse ich wohl EA Sports jedes Jahr die Majorplätze in mein Videospiel aufnehmen? Ich habe mindestens 1000 Runden im Tournament-Modus gedreht und nie schlechter als 62 gespielt.

Nein, Hank. Tatsächlich gibt es einen anderen Grund dafür, dass nicht ich die U.S. Open gewonnen habe: „Star Wars“ – oder genauer gesagt „Das Imperium schlägt zurück“. Justin Rose hat sich Yodas Motivations-Rede für Luke Skywalker angeschaut, und das reichte um zu gewinnen. Doch was Justin kann, kann ich auch. Das hier wird meine Vorbereitung für die Open Championship:



Wollen wir doch mal sehen ob John Parry danach weiter große Töne spuckt. Wer das ist? Keine Ahnung, aber offensichtlich glaubt der Junge er sei der nächste Mega-Star weil er bei der U.S. Open einen Schlag vor mit lag. Sehr geehrter Herr Parry, hier speziell für Sie eine kleine Liste von Superstars, die bei Majors vor mir gelandet sind:

  • Toshi Izawa
  • Cliff Kresge
  • Colby Meyers
  • Hidemichi Tsanaka
  • Greg Owen
  • Gary Evans
  • Chris Riley
  • Tom Byrum

Mittwoch, 19. Juni

Es gibt nichts Besseres als European-Tour-Turniere, die ein großes Jubiläum feiern. Wer erinnert sich nicht an die 50. Austragung der Malaysian Open als die Veranstalter die Dienste von Martin Kaymer, Charl Schwartzel und Rory McIlroy einkauften. Im nächsten Jahr ist die Dubai Desert Classic dran. Weil man zur 25. Austragung nicht wieder zulassen wollte, dass ich in Abu Dhabi antrete, haben sie Steini ein Angebot gemacht, das wir nicht ablehnen konnten. Ja, ich weiß was Sie jetzt denken: Für mein Antrittsgeld von 3 Millionen Dollar und ein paar Zerquetschte muss eine alte Frau lange stricken. Aber sehen Sie es doch mal so: Ein Scheich muss dafür nur ein paar Minuten seine Ölquellen anzapfen.

Natürlich ist so ein Handgeld schön, aber es gibt wichtigeres im Leben. Meine Mutti Kutilda hat immer gesagt: ความไม่มีโรคเป็นลาภอันประเสริฐ – oder für Sie vielleicht etwas verständlicher: „Lieber arm dran als Arm ab“. Selten passte dieses Sprichwort besser als heute. Soeben musste ich auf meiner Webseite bekannt geben, dass meine Playstation- U.S.Open-Verletzung eine Zwangspause nach sich zieht. An dieser Stelle übrigens noch mal ein herzliches Dankeschön an Mike Davis: Dein Rough hat nicht nur ein attraktives Spiel zerstört sondern auch meinen Arm ruiniert. Dass darunter ausgerechnet das AT&T National leidet ist gleich doppelt ärgerlich: Man will nie ein Turnier verpassen bei dem man Titelverteidiger ist – erst recht nicht wenn man auch noch Veranstalter ist. Es ist ein wenig als würde man unzählige Gäste zu seiner eigenen Hochzeit einladen nur um zu sehen wie Lindsey plötzlich Justin Rose das Ja-Wort gibt (meine Traumdeuterin sagt, in diesem Szenario stünde Lindsey für die U.S. Open Trophäe).

Donnerstag, 20. Juni

Wir Golfer sind ja bekanntlich ein abergläubisches Volk – auch wenn ich an dieser Stelle einmal klarstellen möchte, dass mein rotes Shirt in der Finalrunde Marketinggründe hat und kein Aberglaube ist. Ansonsten würde ich wohl kaum am Sonntag eines total verkorksten Turniers wie der U.S. Open rot tragen.

Wenn Charley Hoffman abergläubisch ist, könnte das in Zukunft allerdings sehr schmerzhaft werden. Heute hat er sich erst einen Zahn gebrochen und dann nur 28 Schläge für 9 Loch gebraucht. Also wundern Sie sich nicht falls Ihnen Charley demnächst auf dem Parkplatz begegnet und einen auf Brad Pitt macht.

Aber auch für Team Tiger war heute ein erfolgreicher Tag: Steini hat sich Justin Rose geangelt. Und wie es gute Tradition ist werde ich Rosie gleich erst einmal anrufen und ihn wie jeden neuen Klienten in unserem Stall mit einem kleinen Ständchen begrüßen – ganz egal was Hootie davon hält.

Freitag, 21. Juni

Es ist immer lustig in der Woche nach einem Major Golfturniere zu verfolgen. Martin Kaymer hat in München eine 64 gekegelt, Ernie Els gar eine 63. Doch das hätte bei der Travelers gerade mal für Platz drei gereicht weil Charley Hoffman und Hunter Mahan sogar 61 und 62 spielten. Wie lässt sich so was erklären? In gewisser Weise ist es vergleichbar mit dem Boxen. Vier Runden lang haben wir letzte Woche mit Mike Tyson gekämpft. Er hat uns grün und blau geprügelt, uns Tiefschläge verpasst und uns ein Ohr abgebissen. Und dann steht man auf einmal gegen Brian Sutherland im Ring.

Nun mag der eine oder andere kritisieren, dass die Ergebnisse so niedrig sind. Aber das gehört nun mal zum Verwöhnprogramm nach einem Major. In den Tagen danach haben wir Null Nock auf Golf und eer uns bei seinem Turnier dabei haben will, muss Kohle zahlen und unser Ego streicheln indem er uns zeigt, dass wir noch Birdies spielen können. Als Ausgleich machen wir dafür dann bei jedem Scheiß mit, den ihr im Abendprogramm mit uns veranstaltet. Glaubt mir, ich spreche aus Erfahrung.

Samstag, 22. Juni

Heute ist kein guter Tag. Ich bin mir gerade der Vergänglichkeit meines Lebens bewusst geworden. Bis eben war ich noch überzeugt ich sei unsterblich, sozusagen ein Gott, aber Nick Faldo hat mir die Augen geöffnet. Er meint meine persönlichen Probleme hätten mich schwach im Hirn gemacht. Zugegeben, Nick ist eine Autorität auf diesem Gebiet, aber falls Du es noch nicht gehört hast, Nick: DAS HIER ist meine Freundin. Ja, ich habe es echt schlecht getroffen…

Sonntag, 23. Juni

Normalerweise sind ja alle froh wenn sie die U.S. Open hinter sich haben, nur Padraig Harrington anscheinend nicht. Paddy hat heute noch einmal die Merion Experience nachgestellt. Doch er war nicht der Einzige, der heute einen schlechten Tag hatte:




Wissen Sie, es gibt eine goldene Regel bei uns Golfern. Die Caddies beanspruchen unsere Erfolge nicht für sich (es sei denn sie heißen Steve Williams) und wir geben ihnen nicht auf dem Platz die Schuld für schlechte Schläge. Natürlich bauen Caddies mal Mist, aber dann diskutiert man das Ganze nach dem Turnier über einem Tässchen Tee – oder setzt sie mit einem kräftigen Arschtritt vor die Tür.

Ein ganz Großer auf diesem Gebiet ist Ernie Els, der eine Zeit lang zwei Caddies gleichzeitig beschäftigte. Der Mann, der mir kommenden Monat die Claret Jug überlassen darf, hat heute in München seinen 28. European-Tour-Titel geholt (nur noch 11 fehlen, Buddy) und bewiesen, dass der alte Masters-Fluch außerhalb von Augusta keinen Bestand hat. Man darf vielleicht nicht den Par-3-Contest gewinnen wenn man das Grüne Jackett holen will. Aber offensichtlich muss man um die BMW Open zu gewinnen, vorher beim Melkwettbewerb triumphieren.

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