Week in Review: 2/10

Die langweiligste Open-Schlussrunde aller Zeiten
So wird Louis Oosthuizens Triumph derzeit (nicht nur) in den US-Medien abgehandelt. Das Bizarre ist: wenn der Sieger ein anderer Protagonist gewesen wäre. Tiger, Phil oder Sergio beispielsweise hätten sich alle Besserwisser überschlagen was für eine Dominanz das doch gewesen sei und dass man selten Golf in solcher Perfektion sehen dürfte. Klar ist Oosthuizen nicht besonders sexy als Sieger, sein bestes Ergebnis bei einem Major war bisher der 73.Platz, aber was kann der Südafrikaner dafür wenn Tiger und Kaymer nicht putten können, Westwoods Eisen eher durchschnittlich waren und Casey in den entscheidenden Momenten große Fehler beging. Da kann man noch so sehr darauf verweisen, dass Oosthuizen an den ersten drei Tagen die besten Wetterbedingungen hatte. Das macht vielleicht vier Schläge aus, aber keine sieben. Und wer daran zweifelt, dass „Shrek“ kein würdiger Sieger ist, sollte sich einfach noch mal dessen Eagle an der 9 anschauen. Keiner hatte mehr Gefühl für die Grüns von St. Andrews.

Nikes PR-Desaster
Es sollte der große Coup für Nike werden. Tiger Woods tauschte sein bestes Stück gegen einen Putter aus der Nike-Serie. Das edle Teil hat zwar schon in den Händen von Stewart Cink einen Claret Jug gewonnen, aber wenn Woods jetzt drauf vertraut? Stattdessen wurde es zum großen Debakel. Woods puttete in den ersten drei Runden wie ein Anfänger, benörigte inakzeptable 99 Putts und krönte den Auftritt des Method-Putters mit einem 40-Meter-Putt, den er 10 Meter übers Loch jagte. In Runde vier holte Woods wieder seinen treuen Scotty Cameron hervor. Wirklich besser puttete er damit auch nicht, aber da war er schon so weit zurück, dass man ihn kaum noch im Bild sah. Und das Kind war für seinen Hauptsponsor ohnehin schon in den Brunnen gefallen.

Marcel Siem
Man kann es nicht anders sagen, Marcel Siem hat bei seinem ersten Major eine echte Duftmarke gesetzt (und nein, ich rede nicht von seinem Pipigate). In den ersten beiden Tagen trieb er sich ganz vorne auf dem Leaderboard rum, bis er am dritten Tag auch ein klein wenig Opfer der schlechten Wetterbedingungen wurde. Dennoch hielt er seine Finalrunden ganz ordentlich zusammen, ließ sich nicht von Mitspieler John Daly in einen Weitbomber-Wettbewerb verwickeln und fuhr eine Top-30-Platzierung ein. Das brachte ihn im Race to Dubai bis auf Platz 70 nach vorne und lässt ihn bereits jetzt nach der Tourkarte 2011 greifen. Vielleicht wird er mit seinem 30.Geburtstag, den er am letzten Donnerstag feierte, ja wirklich ruhiger – und besser.

Finanzielle Schieflage
Martin Kaymer belegte bei der Open Championship, einem der wichtigsten Turniere der Welt Platz 7. Alvaro Quiros landete knapp dahinter. Wenn sie ihren Wochenverdienst zusammenwerfen würden, kämen sie auf 311.000 Dollar. Bob Heintz, der bei der zweitklassigen Reno Tahoe Open den zweiten Platz belegte, erhielt dafür 324.000 Dollar. Falls es noch eines Beweises bedurft hätte, dass die Turniere auf der PGA Tour inflationäre Preisgelder ausschütten: hier ist er.

Versetzung gesichert für Alex Cejka
Für seinen geteilten zweiten Platz bei der Reno Tahoe Open erhielt Alex Cejka 101.700 Dollar. Damit liegt sein Jahresverdient jetzt bei gut 723.000 Dollar. Sein Saisonziel hat Cejka damit bereits im Juli erreicht. Wie immer wollte der Deutsche seine Tourkarte für das kommende Jahr sichern. Da im letzten Jahr dazu gut 660.000 Dollar reichten, können wir unserem PGA-Tour-Legionär bereits heute einmal gratulieren.

Waking Up in Reno
Matt Bettencourt trat in diesem Jahr zu 21 Turnieren an. Sein bestes Ergebnis: ein 39. Platz. Alles deutete darauf hin, dass er in diesem Jahr seiner Tourkarte Bye-Bye sagen würde. Doch mit einer guten Woche in Reno sicherte er sich gleich die Karte für 2011 und 2012. Wie schwach das Feld besetzt war, illustriert der Zweitplatzierte Bob Heintz. Der wollte in der letzten Woche eigentlich auf der Nationwide Tour spielen – und dafür durch eine Qualifikationsrunde gehen. Doch dann erhielt er einen Anruf, dass er in Reno spielen dürfe, weil das Feld so schwach war, dass man auf die Plätze 150-200 der Geldrangliste des Vorjahres zurückgriff – etwas, was so gut wie nie passiert.

Shot of the Week
Ja, Tom Lehman hätte am letzten Tag fast ein Hole-in-One an der 18 gespielt. Aber was ist das schon gegen Miguel Angel Jimenez‘ Schlag am Road Hole gewesen? Vergessen wir einfach mal, dass er sich mit einem mies getoppten Pitch über den Road Hole Bunker überhaupt erst in diese Lage gebracht hat. Was er jedoch daraus gemacht hat, war irre. Kevin Costner hat in „Tin Cup“ vielleicht mal einen Ball mit einem Klohäuschen als Bande aufs Grün gespielt. Doch has hier war besser.

Der echte Tin Cup?
Wo wir schon beim Thema sind: Es klingt wie der Rollenname eines Profis aus oben genannten Golf-Film. Aber am Wochenende teete bei der Reno Tahoe Open tatsächlich ein Mann namens Spike McRoy auf. Mit 74-79 riss er keine Bäume aus, aber dass er theoretisch golfen kann bewies er 2000 mit seinem Sieg bei der buy.com Championship (die heutige Nationwide Tour). Und Spikes Webseiteist tatsächlich ein Highlight. Nicht nur weil er sein letztes Turnier als „Reno-Tahoo Open“ nennt, sondern vor allem weil er seine Fans als Spiketator bezeichnet.

Und die Golfgötter sprachen…
Im letzten Jahr ließ Jerry Kelly die Open Championship aus obwohl er automatisch qualifiziert war und spielte lieber beim parallel stattfindenden PGA-Tour-Event. Eine Entscheidung, die nicht überall positiv aufgenommen wurde. Schließlich ist es eine Ehre bei einem Major teilnehmen zu dürfen. In diesem Jahr nahm Kelly teil, doch die Golfgötter vergessen nicht und bestraften ihn mit einer 79-75 und dem verpassten Cut. Mit Scott McCarron gingen sie sogar noch teuflischer vor. Der verzichtete dieses Jahr auf die Open – obwohl er sie vor fünf Jahren noch als sein Lieblingsturnier bezeichnete – um bei seinem Heim-Event mitzumachen. Dort wiegelten ihn die Götter erst in Sicherheit und überließen ihm nach drei Runden die Führung – nur um ihn dann mit einer britalen 81 weit abstürzen zu lassen.

Die Qual der Wahl
Montys drei Captains Picks sind mit der Open nicht gerade leichter geworden. Henrik Stenson, Alvaro Quiros, Robert Karlsson und Sergio Garcia haben sich mit soliden Leistungen wieder ins Gespräch gebracht. Hingegen scheiterten die bisher als relativ sicher gesehenen Captain’s Picks Justin Rose und Padraig Harrington ebenso wie der Waliser Local Hero Rhys Davies am Cut. Einzig, dass Ross McGowan auch nicht das Wochenende sah und kurz davor steht den letzten festen Platz an Paul Casey zu verlieren, dürfte Monty große Freude bereiten. Wie er derzeit entscheiden würde? Rose und Casey dürften derzeit noch gesetzt sein. Um den Finalplatz streiten sich wohl Quiros, Harrington und Ross Fisher. Aber es stehen ja noch einige große Turniere an.

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