Week in Review 6/2013: Die mit dem Slow-Play-Strafschlag, dem Kopf im Sand und dem Ende der Herren-Mittwochs

Die Letzten werden die Ersten sein

Dass Golf eine wankelmütige Geliebte sein kann, wissen wir alle aus eigener Erfahrung. Aber Michael H. Thompson führte diese Tatsache jetzt ins Extrem. Bei der Northern Trust Open war der 28-Jährige noch vollkommen verzweifelt. Mit Runden von 78 und 80 – letztere mit vier Doppelbogeys – landete er abgeschlagen ganz am Ende des Feldes. 14 Tage später fand er sich plötzlich bei der Honda Classic in einem deutlich stärkeren Teilnehmerfeld auf einem sehr viel schwierigeren Platz mit Runden von 67, 65, 70 und 69 auf der anderen Seite des Leaderboards wieder. Mit zwei Schlägen Vorsprung sicherte sich der Vorjahreszweite der U.S. Open seinen ersten PGA-Tour-Sieg. Gute Nachrichten also für David Mathis, der bei der Honda Classic mit – welch Zufall – 158 Schlägen Letzter wurde und diese Woche bei der Puerto Rico Open auf einen ähnlichen Umschwung hofft.

Coetzee kotzt ab

Der Südafrikaner Charl Coetzee war nicht gerade glücklich über die Finalrunde der Tshwane Open. Nach drei Runden hatte er noch in geteilter Führung gelegen, doch bereits auf der Front 9 war ihm Dawie Van der Walt ein wenig enteilt. Doch endgültig begraben musste er seine Siegchancen erst an der 15 als die European Tour endlich wieder einmal durchgriff und Coetzee für sein langsames Spiel mit einem Strafschlag bedachte. Eine Maßnahme, die Wirkung zeigen sollte. Denn wo eine Slow-Play-Verwarnung auf der PGA Tour vielleicht mal mit 500 Dollar Strafe bedacht wird, kostete Coetzee der Strafschlag mal eben 14.000 Euro, weil er geteilter Fünfter statt geteilter Vierter wurde.

Verhaltene Freude

Auch der Sieger der Tshwane Open ist früher bereits einmal mit den Gesetzeshütern der European Tour in Konflikt gekommen. Bei der Russian Open 2007 hatte Dawie Van der Walt für einen zu niedrigen Score unterschrieben und musste das Preisgeld für seinen vierten Platz zurückgeben. Eine Standard-Prozedur, wenn sie nicht erst zwei Wochen nach Turnierende entdeckt worden wäre. Das Pikante an der Sache: Nur durch den vierten Platz hatte sich Van Der Walt für das Scandinavian Masters in der Folgewoche qualifiziert, dessen Preisgeld er behalten durfte – eine Entscheidung, die nicht bei allen Profis (vor allen denjenigen, die knapp hinter ihm platziert waren) Anklang fand. Aber auch der Südafrikaner selber war not amused. Auf seiner Scorekarte war die korrekte 69 durchgestrichen und durch eine 68 ersetzt worden – etwas, das er seiner Aussage nach nicht selber getan oder gesehen hatte. Aus diesem Grund wird der 30-Jährige über das größte Preisgeld seiner Karriere und die zweijährige Spielberechtigung auf der European Tour wohl frühestens in zwei Wochen feiern wenn niemand mehr Einspruch erhebt.

Schluss mit dem Herren-Mittwoch

Auch in deutschen Golfclubs gibt es noch immer Turniertage, die bestimmten Gruppen vorbehalten sind: meist spielen am Dienstag die Damen während am Mittwoch die Herren der Schöpfung losgelassen werden. Einem Club in den USA wurde diese Praxis jetzt zum Verhängnis. Ein Gericht in Spokane County urteilte jetzt nach fünfjährigem Rechtsstreit, dass es illegal sei, Männern bevorzugte Startzeiten zuzuschustern. Laut der Spokesman Review darf der Spokane Country Club nicht mehr wie seit 115 Jahren die Frauen auf den Dienstag und Donnerstag delegieren. Den vier Klägerinnen wurden insgesamt 578.545 Dollar Schadensersatz von der Jury zugesprochen.

Augusta National wird grün vor Wut

Wenn es um die Einhaltung seiner Spielregeln geht, kann Augusta-National-Präsident Billy Payne ganz schnell zum Hulk mutieren. Sein jüngster Aufreger: der Verkauf eines der geheiligten Grünen Jacketts. Wie das Atlanta Journal Constitution berichtet will Golfsammler Stephen Pyles das Jackett von Art Wall Jr. weiterverkaufen, das er im letzten Jahr für 62.000 Dollar ersteigert hatte. Doch nun hat Augusta National eine einstweilige Verfügung gegen das beauftragte Auktionshaus in Texas erwirkt. Der Club argumentiert, dass das Jackett nur eine Leihgabe an den Sieger sei und am Ende seines Gewinner-Jahres wieder an den Club zurückgegeben werden muss. Zudem sei es vom Gelände gestohlen worden. Dumm nur, dass erst vor zwei Jahren eines der wichtigsten Jacketts, das von Augusta-Gründer Bobby Jones, für mehr als 300.000 Dollar versteigert wurde. Dennoch wird die Eigentümerfrage jetzt vor Gericht geklärt.

Kopf in den Sand gesteckt

Es klingt wie die Pre-Credits-Sequenz der neuesten „Bones“-Folge: Ein Greenkeeper repariert den Bunker eines Golfplatzes und stößt dabei auf den skelettierten Schädel einer Teenagerin. Doch der Vorfall ist nicht Fiktion sondern tatsächlich passiert wie der Daily Record weiß. Auf dem Musselburgh Links, dem laut Guinness Buch ältesten Golfplatz der Welt, stießen Greenkeeper Ende Januar am Grünbunker des vierten Lochs auf den unheimlichen Fund. Glücklicherweise handelte es sich dabei jedoch nicht um ein aktuelles Mordopfer, denn der Schädel soll laut Archäologen bereits aus der Eisenzeit stammen als die Menschen mit Stöcken statt auf Bälle nur auf Köpfe eingeschlagen haben. Es kann daher ausgeschlossen werden, dass es sich bei dem Fund um eine frühe, barbarische Form des ProV1 gehandelt hat.

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