Week in Review: Ausgabe 25/2012

Darauf einen Arnold Palmer

Wenn man in einem Atemzug mit dem großen Arnold Palmer genannt wird, hat man schon etwas Besonderes geleistet. So wie in dieser Woche Robert Garrigus. Nach 54 Löchern der Canadian Open hatte Garrigus gerade einmal 194 Schläge benötigt – einen weniger als Arnold Palmer, der 1955 mit 195 Schlägen im Weston Golf & Country Club einen Turnierrekord aufstellte, der für die Ewigkeit schien und erst vor zwei Jahren von Dean Wilson eingestellt werden konnte. Mit einer 70 in der Schlussrunde konnte Palmer damals seinen ersten Titel auf der PGA Tour holen. Garrigus reichte das gleiche Ergebnis allerdings nicht, er wurde noch von Scott Piercy überholt, der mit einem Gesamtergebnis von 263 den Turnierrekord eines anderen Palmers einstellte, nämlich Johnny – aufgestellt 1952 im St. Charles Country Club. Damit geht der älteste, bisher nie wieder erreichte Turnierrekord auf der PGA Tour auf das Barclays über, das Bob Gilder 1982 mit 261 Schlägen gewann – sieben Schläge weniger als der nächstbeste in der 45-Jährigen Turniergeschichte brauchte.

Jäger des verlorenen Schatzes

Etwas unbeachtet von der Öffentlichkeit hat ein deutscher Golfer am vergangenen Wochenende sein Debüt in der zweiten Liga gegeben. Stephan Jäger, in der Amateur-Weltrangliste vor seinem Wechsel ins Profilager immerhin auf Platz 14 geführt, hat sein Studium an der University of Tennessee beendet und seinen nächsten Lebensabschnitt begonnen. Bei der Children’s Hospital Invitational auf der Nationwide web.com Tour bekam Jaeger wie auch fünf andere College-Golfer eine Spondoreneinladung aufgrund seiner Wahl ins Ping All-American Team. Nur eine von etlichen Auszeichnungen seiner College-Karriere zu der Schulrekorde beim durschnittlichen Rundenergebnis und der Anzahl der Turniererfolge (4) zählen. Jägers zweiter Start als Profi (bei seinem ersten verdiente er auf der NGA Tour 1765 Dollar) endete dennoch mit einem verpassten Cut. Wie seine weitere Karriereplanung aussieht ist noch unbekannt, es ist jedoch zu erwarten, dass er sich auf der letzten echten Qualifying School für die PGA Tour und vermutlich auch auf der Q-School für die European Tour versucht.

Zehnerticket

Wenn man verfolgt, wie sich die Rekordentwicklung der jüngsten Teilnehmerinnen an bedeutenden Golfturnieren so entwickelt, muss man davon ausgehen, dass spätestens im Jahr 2030 eine werdende Mutter am ersten Abschlag steht, ihr Kind bekommt und das Baby sich gleich darauf für die U.S. Open qualifiziert. Denn einen neuen Tiefstwert erreichte Latanna Stone aus Florida, die seit ihrem zweiten Lebensjahr Golf spielt und sich jetzt mit zehn Jahren für die U.S. Women’s Amateur Championship am 6.August qualifizierte. Mit einer 70 in ihrem regionalen Qualifikationsturnier setzte sich das 142cm kleine Nachwuchstalent gegen sechs Konkurrentinnen durch und untertraf den bisherigen Altersrekord um zwei Jahre. Webb Simpson, dessen Ehefrau Dowd am Samstag ein Mächen zur Welt brachte, bereitet Töchterchen Willow Grace vermutlich bereits auf 2021 vor.

Erfolgreicher Auslandseinsatz

53 Turniere hatte Fred Couples laut Wikipedia in seiner Profikarriere gewonnen. Doch keines davon in Europa. Diese Serie ist jetzt vorbei, denn bei der Senior Open Championship feierte der Amerikaner endlich seinen ersten Erfolg in der alten Welt. „Ich habe noch nie eine Open Championship gewonnen, das hier ist die nächstbeste Alternative“, zeigt er sich entsprechend erleichtert. Besonders weil er mit seinem Sieg 2013 in die reguläre Open kommt, die der 53-Jährige letztmals 2005 spielen durfte. Allerdings ist der Austragungsort nicht gerade optimal für den ehemaligen Masters-Champion. 2002 verpasste Couples in Muirfield den Cut, 1987 wurde er 40.

Lang(sam)er

Der Sieg von Fred Couples war allerdings nicht ohne Kontroverse. Denn wie es schon bei der Open mit Adam Scott und Graeme McDowell geschah, wurde auch bei der diesjährigen Senioren-Variante der letzte Flight auf die Uhr genommen. Der Schuldige war recht eindeutig auszumachen, denn Couples spielte mit dem nach der dritten Runde führenden Bernhard Langer über den Lanny Wadkins einst sagte „Ich habe Schnecken gesehen, die sich schneller bewegen“, und der 2003 von seinen PGA-Tour-Kollegen nach Ben Crane zum langsamsten Spieler der Tour gekürt wurde. Doch die Aufgabe die verlorene Zeit wettzumachen fällt nun mal beiden Spielern im Flight zu, und als Fred Couples auf Bahn 13 eine Verwarnung erhielt, weil er sich für einen Schlag zu viel Zeit ließ, kam es beinahe zur Eskalation. „Wenn ich noch mal eine schlechte Zeit bekomme, gibt es Ärger“, herrschte er den Offiziellen an und verwies mit Hinweis auf Langer „Ich bin nicht Schuld.“ Ein Loch später kassierte schließlich dann auch Langer seine Verwarnung, die den Deutschen so zu verunsichern schien, dass er die nächsten drei Löcher in Bogey spielte und so endgültig seine Siegchancen vergab. „Dass wir auf der Uhr waren war wenig hilfreich. Wir mussten einige Schläge übereilt spielen“, lamentierte Langer sein Schicksal, das ihn zum zweiten Mal in Folge in der Schlussrunde eine Major-Führung abgeben lassen sah, anschließend auf der Pressekonferenz.

Taiwan-Krise

Es ist immer wieder verblüffend wie schnell man im Golfsport aus dem absoluten Hoch ins tiefste Loch fallen kann. Bestes Beispiel derzeit: Yani Tseng. Noch zu Beginn des Jahres schien die Taiwanesin absolut unschlagbar zu sein, doch seit Anfang Juni hat die Dominatorin bei vier Starts nicht einmal besser als Platz 50 abgeschnitten und von ihren letzten 13 Runden nur eine einzige unter Par absolviert. Auch der Wechsel ihres Caddies hat zumindest bisher keine Wirkung gezeigt. Mitte Juli trennte sich die 23-Jährige von Jason Hamilton, doch der erste Auftritt mit ihrem Neuen, Basil von Rooyen, endete beim von der Koreanerin Inbee Park gewonnenen Evian Masters mit dem verpassten Cut. Es war ihr zweiter verpasster Cut in den letzten drei Starts. Wie ungewöhnlich dies ist? In den letzten 5 Jahren davor hatte sie auf der LPGA Tour insgesamt nur drei Cuts verpasst.

Rot-weiß-rote Herrlichkeit

Heimvorteil genutzt. Bernd Wiesberger gewann mit der Lyoness Open als zweiter Österreicher nach Markus Brier 2006 sein Heimatturnier. Für den 26-Jährigen war es bereits der zweite Saisonsieg, durch den er die Anzahl österreichischer European-Tour-Siege auf fünf schraubte: Markus Brier hat ebenfalls zwei Siege und Martin Wiegele einen. Besonders erfreulich für Wiesberger: Da das Turnier trotz seines schwachen Teilnehmerfeldes mit der für European-Tour-Events garantierten Mindestpunktzahl von 24 bedacht wurde, schob er sich in die Top 100 der Welt und dürfte damit sehr wahrscheinlich zur PGA Championship eingeladen werden und damit sein erstes Major spielen.

Lex Johnson

Die PGA of America hat aus dem Drama von Whistling Straits 2010 gelernt und bereits frühzeitig bekannt gegeben wie sie mit den vielen Bunkern des Ocean Course auf Kiawah Island umgehen will: Sämtliche Natursand-Flächen auf dem Platz werden als Waste Area behandelt, das heißt man darf seinen Schläger aufsetzen, Probeschwünge machen und lose Naturstoffe entfernen. Allerdings ist dies keineswegs eine Reaktion auf das Dustin-Johnson-Fiasko vor zwei Jahren – auch bei der Senior PGA Championship von 2007 wurde auf dem Ocean Course so gespielt. Das Opfer selber nahm die Mitteilung mit Humor:


Trostpflaster

Adam Scott kann niemand seinen Open-Sieg zurückgeben, aber zumindest denjenigen, die auf den Australier gewettet haben. Das dachte sich zumindest der karibische Wettanbieter SportsBettingOnline, der allen Kunden, die auf Scott gesetzt hatten, ihren Einsatz zurückzahlten. „Wir finden, es ist unsere Pflicht die Spieler für die schweren Prügel, die sie eingesetckt haben, zurückzuzahlen. Sein Kollaps war historisch und wir wissen unsere Wetter müssen sich genau so schrecklich wie er fühlen“, verkündete ein Sprecher etwas hochtrabend. Zumal es schon Beispiele gibt, wo sich Wettanbieter noch großzügiger zeigten.

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