Doonbeg Golf Links

Unsere Bewertung

7 Linksgolfer

Erklärung der Bewertungsskala

Vor meiner Runde in Doonbeg stand ich vor einem echten Dilemma. Darf man heutzutage noch auf einem Platz von Donald Trump spielen? Das Ja-Argument ist dabei meistens „Man sollte Sport und Politik trennen“. Doch da dieses Argument für mich nicht zieht, war ich sehr widerstrebend. Dass ich es dennoch tat, hatte drei Gründe. Anders als beim Trump International Golf Links in Aberdeen, wo der Donald wie eine Planierraupe über Umweltvorschriften und die Belange der Anwohner walzte, hat Trump den Platz nicht selber gebaut. Im Dezember 1999 ließen die Eigentümer von Kiawah Island Greg Norman auf das Gelände los, der daraus ein 6295 Meter langes Par 72 machte. Erst 2014 erwarb Trump das Resort.

Der zweite – ziemlich scheinheilige – Grund war, dass es im Rahmen einer Einladung geschah und ich Trump nicht mein eigenes Geld gab. Doch die eigentliche Rechtfertigung verschaffte mir ein Gespräch mit einem Mitarbeiter von Doonbeg. Als wir uns über die Geschichte des Resorts, über das aufgebaute Zelt einer Hochzeitsgesellschaft und über die Bedrohung des Platzes durch Erosion unterhielten, fiel mir eines auf. Wann immer er über das Resort redete, benutzte er nicht das „Wir“ wie es normalerweise Angestellte tun. Stattdessen sprach er von „The Trump People“. Diese Dissoziation vom Besitzer machte mir letztlich klar, dass die wenigsten in diesem Club mit ihrer Situation zufrieden sind. Aber in dieser Gegend gibt es nun mal wenig Beschäftigungsmöglichkeiten. Also ging ich mit der gleichen „Augen Zu und Durch“-Einstellung an den ersten Abschlag.

Dort angekommen muss man zugeben, dass Trump und Doonbeg eine perfekte Verbindung sind. Denn am ersten Tee wartet eine lächerlich-kitschige große Uhr, die sich ideal mit dem lächerlich-kitschigen Clubhaus/Hotel verbindet. Der Platz selber beginnt mit einem Par 5 für dessen Grün sich Norman einen besonderen Ort ausgesucht hat: eingebettet in eine riesige Düne in 513 Metern (488 von gelb) Entfernung. Beim gemütlichen Aufgalopp muss man allerdings auf kreuzende Spieler achten, denn der Weg zur 18 führt über dieses Fairway. Resultat eines leicht verunglückten Routings, dessen Ziel es offensichtlich war, für die Schlussbahn noch mal ans Wasser zu kommen. Mit der zwei beginnt dann schon der trickreichste und schönste Teil der Runde. Das Par 4 könnte am Tee zu klaustrophobischen Anfällen führen, aber es ist nur eine optische Täuschung. Nach rund 150 Metern öffnen sich die Dünen nach links und nach rechts, so dass die Sorge um verlorene Bälle unbegründet ist.

Die drei ist ein exzellentes kurzes Par 4 (309/283 Meter), dessen Herausforderung der Schlag ins gut verteidigte Grün ist. Mit der 4 folgt das längste Par 5, das sich bis auf 603 Meter strecken lässt. 250 Yards vor dem Grün unterbrechen Wellen für rund 40 Meter das Fairway. Das golferische Equivalent zu den Kopfsteinpflasterstraßen von Paris-Roubaix findet sich auch noch mal vor dem fünften Grün. Das wunderbare, kurze Par 4 zählt zu meinen Favoriten. Das schmale Fairway verläuft zwischen Dünen und die Huckel verlangen ein hohes Anspielen des schmalen, langen Grüns. Das Meer im Hintergrund kommt vom erhöhten Abschlag der 6 vollends ins Blick. Zwei Fairwaybunker auf der rechten Seite testen auf dem kurzen Par 4 (334/271 Meter) den Golfer, der natürlich dem Wasser auf der linken Seite so weit wie möglich ausweichen will. Das herausfordernd aussehende Grün konnte ich leider nicht spielen, da es bei meinem Besuch restauriert wurde.

Mit der 7 folgt dann das erste Par 3 des Platzes, das instinktiv eine Kritik bei mir hervorrief. Die recht lange (220/186 Meter) Bahn spielt auf eine große Düne zu. Das Grün hat man dabei vor den niedrigsten Teil gelegt. Gut möglich, dass dies Gründe des Naturschutzes oder Kostengründe hat. Aber ein weiter links liegendes Grün wäre reizvoller. Oder, wenn man ganz kühn, ein Grün über die gesamte Breite machen würde, gäbe es tolle spielstrategische Optionen. So wirkt es wie eine vertane Chance. Ganz anders die 9. Das zweite Par 3 liegt am entferntesten Punkt zum Clubhaus, windet sich am Strand entlang und ist entsprechend windanfällig. Auch hier wirken zwei Bunker auf der rechten Seite des Grüns der unterbewussten Reaktion des Golfers entgehen, nach rechts auszuweichen.

Die Back 9 haben leider nicht mehr ganz so viele Highlights zu bieten. Das Par 5 an der 10 wird von einem Bach durchschnitten, setzt aber dennoch keine Reizpunkte, und die 12 hat kurz vor dem Fairway einen uninspiriert angelegten (und vom Tee durch eine Düne verdeckten) Entwässerungsteich, der für etliche Golfer ins Spiel kommen wird. Ein kleines Ärgernis. Entschädigung gibt es dafür an der 13, dem besten Par 5 des Platzes. Das fantastische Grün liegt auf einem erhöhten Plateau und ist zudem von Dünen umsäumt. Die umgebaute Bahn 14, ein Par 3 vom erhöhten Tee, war leider bei meinem Besuch aus dem Spiel genommen. Sie sieht auf jeden Fall interessanter aus als die 17A, die als Ersatz aufgenommen wurde und im Golf-Lexikon unter G wie generisch zu finden ist.

Das letzte coole Loch von Doonbeg ist die 15. Auch hier liegt das Grün wieder von Dünen eingebettet, die sogar die rechte Hälfte beschützen. Das erneut von einem erhöhten Tee spielende, recht kurze Par 4 (342/321 Meter) ist ein strategisches Highlight, denn es macht keinen Spaß von der spitzen Düne runterzuspielen. Glaubt mir, ich habe es versucht. Und es hat zu einem nicht gerade eleganten Abgang geführt.

Auch der Abgang von Doonbeg ist nicht gerade elegant. Wie anfangs erwähnt, wirkt das Routing forciert, um dem Spieler noch einmal das Meer zu geben und den letzten Eindruck aufzuhübschen. Ein Versuch, der zumindest bei mir nicht funktioniert hat. Denn die 18 spielt sich nicht nur am Wasser entlang, sie spielt auch auf das möchtegern-klassische, aber tatsächlich durch und durch amerikanische Clubhaus von Architekt John Denton Haley zu. Es ist ein Störfaktor, vielleicht sogar ein Schandfleck auf dieser ansonsten sehr natürlich wirkenden Anlage. Sicherlich gibt es Menschen, denen dieser Stil gefällt (einer davon sitzt im Weißen Haus), aber es passt einfach nicht hier hin. Trotzdem ist Doonbeg ein eindrucksvoller Kurs – und wenn man ihn mit einer Twilight-Rate spielt sogar recht bezahlbar.

Disclaimer: Die Runde fand im Rahmen einer Einladung statt

Gespielt am:30.4.2018

Zusammenfassung
Gespielt am
Bewerteter Platz
Doonbeg
Bewertung
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2 Comments

  • Leon sagt:

    Lieber Rüdiger,

    vielen Dank für den lesenswerten Beitrag.

    Das “Trump-Dilemma” macht sich in Doonbeg an mehreren Stellen bemerkbar, wie ein Freund der Familie berichtet, der dort arbeitet. So sollen im Pro Shop die Umsätze massiv eingebrochen sein, seit dem es Shirts und Equipment nur noch mit Trump-Logo gibt. Nachvollziehbar.

    Bei den Green Fees und den Übernachtungen soll es seit 2014 die größten Einbrüche bei den amerikanischen Gästen gegeben haben. Die europäischen und asiatischen Golfer scheinen da strenger zwischen Politik und Sport zu trennen.

    Viele Grüße!
    Leon

  • Heiko sagt:

    Hallo Rüdiger,
    das ist wirklich eine grundsätzliche Frage, die du stellst. Ich für mich finde die Antwort einfach: Nein, man sollte keinen Trump-Platz spielen, auf keinen Fall und unter keinen Umständen.
    Du hast dich anders entschieden und mein liebster YouTube-Golfer, Mark Crossfield, tut das auch dauernd. Beide werdet ihr eingeladen, um Promotion zu machen. Ich verurteile weder dich noch Mark, ich schätze die Arbeit, die ihr beide macht, seit langem sehr und bin dankbar dafür.
    Aber in meiner Bewertung ist die Einladung eher ein gewichtiges Gegenargument. Ebenso die Anekdote mit dem Angestellten, die du nennst.

    Ich bin zur Zeit auf einer langen Reise rund um Schottland mit dem Rad, Golfschläger auf dem Gepäckträger. Ich bin an Turnberry schweren Herzens vorbeigefahren, am Trump-Platz in Aberdeen sowieso.

    Aber ich hatte auch keine Einladung ;-)

    Viele Grüße und macht weiter!
    Heiko

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