Tigers Tagebuch: Gastgeberpflichten, Nacktfotos und ein Stinkefinger

Montag, 24. Juni

Ich habe den Job nicht bekommen. Mein Traum von einem Golfplatz in Dubai ist endgültig geplatzt. Donald Trump hat den Job seinem Intimus Gil Hanse gegeben. Angeblich würde ich ihn zu sehr an seinen Erzfeind Obama erinnern. Klar, wir sind beide schwarz und haben sportlich schon bessere Zeiten gesehen. Trotzdem schmerzt so etwas natürlich. Das letzte Mal habe ich eine solche Abfuhr kassiert als Dina Gravell in der Prom-Nacht nicht mit aufs Hotelzimmer kommen wollte. Die Frage ist nur, was mache ich mit Beau Wellings meinen designten Löchern? Vielleichte versuche ich es mal bei e-bay Kleinanzeigen.

Dienstag, 25. Juni

Okay Gary, wir wissen, dass Du stolz auf Deinen Körper bist. Aber musst Du wirklich noch mit 77 Jahren Nacktfotos machen lassen? Bilder aus meinem Kopf! Tatsächlich hatte ESPN vorher bei mir angefragt, ob ich für das neue „Body Issue“ nicht mal blank ziehen will. Aber als sie erfahren haben, dass ich den Nike-Swoosh nicht nur auf den Klamotten trage sondern auch auf strategisch wichtigen Stellen meines Körpers eintätowiert habe, haben sie plötzlich einen Rückzieher gemacht.

Dabei mache ich schon seit meinen College-Tagen einen extrem coolen Eindruck auf Titelblättern. Mein damaliger Teamkollege Casey Martin (Mitte) hat derweil mal wieder Ärger mit einer Golforganisation. Wie oft muss der Junge eigentlich noch vor Gericht ziehen bis ihn USGA, PGA Tour und Co. so behandeln wie es ihm zusteht? Glaubt die USGA wirklich wenn er mit einem Cart rumfährt, könnte er anderen College-Trainern die besten Spieler wegschnappen? College-Anwerbung ist nicht wie Hochseefischerei wo derjenige den Fisch fängt, der als erstes das Netz rüber wirft. Vielmehr läuft es wie beim Angeln am Weiher: Wer den leckersten (sprich: finanziell attraktivsten) Köder anbietet, zieht den besten Fang an Land. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel: Ich habe mich damals für Stanford entschieden obwohl die University of Nevada mich mit einem Zimmer in einem exklusiven Luxushotel geködert hat.

Mittwoch, 26. Juni

Es ist eine Sache verletzt zu sein – aber verletzt zu sein wenn man sein eigenes Turnier veranstaltet, ist etwas ganz anderes. In einer ganz normalen Woche würde ich den Golf Channel aus der Programmliste streichen, mir einreden die PGA Tour hätte eine Ruhewoche, mich mit den „Fast & Furious“-Filmen auf dem Sofa lümmeln und Lindsey zum Chinesen schicken (dem Restaurant, nicht Guan Tianlang). Stattdessen muss ich heute in einer Pressekonferenz Rede und Antwort stehen und mir bewusst machen, dass sich die Golfwelt weiter dreht. Immerhin waren die Fragen heute ganz abwechslungsreich und rangierten von Mode über Muirfield bis hin zu meiner Stiftung.

Natürlich kann man nicht immer die Wahrheit sagen. Wenn ich mich hinstelle und sage die Ärzte meinen, dass ich bei der Open keine Chance habe, steht bei mir das Handy nicht mehr still weil Nike und die Fernsehsender ihre Felle davonschwimmen sehen. Also sagt man dann eben so Luftblasen wie „Gut genug“ auf die Frage wie fit ich bei der Open sein werde. Und natürlich werde ich nicht in die Falle gehen und Nick Faldos lächerliche Kommentare öffentlich beantworten. Ansonsten rutscht mir am Ende noch raus, dass ich ihn bei der Open jeden Abend nach Hause einlade und ihm Fish & Chips serviere.

Donnerstag, 27. Juni

Manchmal wünsche ich mir ich wäre eine Frau. Nein, nicht wegen der Reizwäsche oder den hochhackigen Schuhen. Mir geht es hier nur ums Sportliche. Während die USGA uns für die U.S. Open einen Platz präsentiert, der nur Einbahnstraßen-Golf proklamiert – schmalste Fairways, die jeden Spieler zwingen jedes Loch gleich zu spielen – dürfen sich die Damen in dem fantastischen Sebonack Golf Club von Tom Doak und Jack Nicklaus austoben.

Die Fairways sind breit wie Autobahnen, doch wenn man auf der falschen Seite liegt, braucht es schon einen Sensationsschlag um diesen Nachteil wieder auszugleichen. So bekommt der Zuschauer spektakuläres Golf geboten – und am Ende wird trotzdem kaum jemand mehr unter Par liegen obwohl die Grüns noch nicht mal annähernd so schnell sind wie in Merion. Wie gut, dass wir nächstes Jahr nach Pinehurst dürfen, wo sich Mike Davis an keinem Rough vergehen darf. Graeme McDowell wird dann vermutlich nicht antreten weil er das Prinzip von guter Golf-Architektur offensichtlich nicht verstanden hat.

Freitag, 28. Juni

Es kommt nicht oft vor, dass man sieht wie ein Profigolfer ein dreistelliges Ergebnis einreicht. Aber immer wenn es passiert, steigt mir der Geruch von Windeln in die Nase. Denn als ich das letzte Mal über 100 gespielt habe, war ich ihnen so gerade entwachsen. Vermutlich hätte Michael Bembenick heute auch gerne welche getragen, denn bei seiner 103 in der United Leasing Championship hat er sich sicher zwischendurch Mal aus Angst leicht eingenässt. Doch das Schöne im Golfsport ist, dass am Ende auch nur ein Missed Cut hinter seinem Ergebnis steht – womit er diese Woche in einer Reihe mit Padraig Harrington, Darren Clarke, Graeme McDowell und Rory McIlroy steht.

Ach ja, eine Frage noch Rory. Wenn gegen einen Roboter zu verlieren in etwa so ist wie gegen Martin Kaymer zu verlieren: Was ist dann gegen Gareth Shaw, Seamus Power, Chris Paisley, Damian Mooney und Gavin Moynihan zu verlieren?



Samstag, 29. Juni

Heute gab es auf dem Platz einen Skandal: D.H. Lee hat den Zuschauern ein Körperteil gezeigt, dass man eigentlich stecken lassen sollte. Nein, nicht DAS Teil – obwohl auch das kaum für mehr Aufregung hätte sorgen können als die Tatsache, dass Lee den Stinkefinger gezeigt hat. Eine Geste, die so schlimm war, dass ESPN es nur gewagt hat, sie verpixelt zu zeigen. Währenddessen können sich Teenager hier in 14 Tagen „Evil Dead“ komplett unverpixelt auf DVD anschauen. Only in america…



Glücklicherweise hat das Turnier keinen Schaden genommen, da sich jemand anderes noch mehr daneben benommen hat. Jessica Korda, Tochter von Tennislegende Nandrolon Korda, entschied sich bei der U.S. Women’s Open nach 9 Loch ihren Caddie rauszuwerfen und ihrem Freund das Bag auf den Rücken zu schnallen. Schlechter Stil natürlich, aber irgendwie auch mutig. Ganz ehrlich: Jeder von uns Golfprofis hat mehr als einmal davon geträumt seinen Caddie während der Runde vom Hof zu jagen, aber kaum jemand traut sich, es auch durchzuziehen. Dabei kann so ein Klimawechsel ganz positiv sein. Als sie ihren Caddie rauswarf lag Korda 6 über Par, den Rest des Turniers spielte sie 4 unter. Und auch für ihren Freund Johnny DelPetre war es ein voller Erfolg. Auf der web.com-Tour hat er dieses Jahr gerade mal 1800 Dollar verdient, als 7-Prozenter von Jessica stehen ihm jetzt 6500 Dollar zu. Gewöhn Dich schon mal an die Schürze, Johnny. Denn die Hosen hat bei Euch die Frau an.

Sonntag, 30. Juni

Ein höflicher Junge dieser Bill Haas. Bei der Preisverleihung meinte er, er hält die Trophäe für mich bis zum nächsten Jahr warm. Denn er weiß, dass er keine Chance mehr auf den Titel hat wenn ich dabei bin. Das ist nicht arrogant, das ist Fakt. Auch wenn die Medien sich einen Spaß daraus machten zu betonen, dass nicht ich sondern Bill neben Voldemick, Justin Rose und Dustin Johnson der einzige Spieler ist, der die letzten vier Jahre mindestens ein PGA-Tour-Event gewonnen hat: Tatsache ist, dass Bill Haas hat noch nie in seinem Leben ein Turnier gewonnen bei dem ein gewisser Tiger Woods im Feld war.

Die sportlich größere Leistung hat ohnehin Inbee Park geleistet. Die ersten drei Majors des Jahres zu gewinnen hat vor ihr nur Babe Zaharias und bei uns Männern Ben Hogan geschafft. Und wenn es in Muirfield 2002 nicht ein Unwetter gegeben hätte, würde ich vermutlich auch auf der Liste stehen. Aber ich schweife ab. Tatsächlich hat Miss Park bei der Women’s Open Anfang August nicht nur die Chance als erster Golfer überhaupt in einem Kalenderjahr vier Profiturniere zu gewinnen, sie kann auch jahresübergreifend alle Majortitel halten weil sie 2012 das neu als Major deklarierte Evian Masters gewonnen hat. Aber bevor jemand auf dumme Gedanken kommt: Inbee Slam hört sich bei weitem nicht so gut an wie Tiger Slam!

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